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27. Ausgabe · 2026

Kehlburg

Zwischen Renaissanceglanz und stiller Ruine

Das Motiv

Geschichte in Bewegung.

Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut · 1944 durch einen Brand schwer zerstört

Die Kehlburg erhebt sich auf einem bewaldeten Hügel oberhalb von Gais und zählt zu den ältesten Burganlagen des Pustertals. Sie wurde vermutlich Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut, nachdem sich an dieser Stelle bereits seit dem 10. Jahrhundert ein bischöflicher Besitz namens „Chela“ befand. Die Burg diente den Fürstbischöfen von Brixen zur Sicherung des Tauferer Tales und der wichtigen Verkehrswege zwischen dem Pustertal und dem Ahrntal.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus den Jahren 1147/1155, als Heinrich Salzmann von Kehlburg als Lehensinhaber genannt wird. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Burg mehrfach den Besitzer und wurde als Lehen oder Pfand an verschiedene Adelsfamilien vergeben. Nach einer Fehde mit dem Brixner Fürstbischof fiel sie wieder an das Hochstift Brixen zurück.

Gegen Ende des Mittelalters begann die Kehlburg zu verfallen. Deshalb verlieh der Brixner Bischof die Burg im Jahr 1545 an Hans II. von Rost mit der Verpflichtung, sie wieder aufzubauen. Unter seiner Leitung entstand aus der mittelalterlichen Wehranlage ein repräsentatives Renaissanceschloss. Die Familie von Rost blieb über 350 Jahre im Besitz der Kehlburg und prägte ihre Geschichte entscheidend.

Im Jahr 1891 wurde die Burg an den ungarischen Weihbischof Dr. Sigmund Bubics verkauft. Er investierte große Summen in die Restaurierung und Ausstattung des Schlosses, überschätzte jedoch seine finanziellen Möglichkeiten. Nach mehreren Besitzerwechseln erlitt die Kehlburg am 30. April 1944 ihr schwerstes Schicksal: Ein verheerender Brand zerstörte große Teile der Anlage. Da sie nie wieder vollständig aufgebaut wurde, blieb sie als Ruine erhalten.

Obwohl die Kehlburg heute eine Ruine ist, zählt sie zu den eindrucksvollsten historischen Bauwerken des Tauferer Tales. Hoch über Gais gelegen, erinnert sie an die wechselvolle Geschichte der Fürstbischöfe von Brixen, der Adelsfamilie von Rost und an fast tausend Jahre regionaler Geschichte.

Foto: © TV Bruneck